Wie gut sind Flechtanleitungen?

⏱️ 3 Min. Lesezeit
Foto: Pixabay

Ob in einem Buch oder einem Video – Flechtanleitungen sind im Internet überall zu finden. Gut gemeint und manchmal schön anzuschauen. Doch taugen diese Anleitungen wirklich etwas?

Foto: Pixabay

Alle diese Anleitungen haben eines gemeinsam: Es fehlt die dritte Dimension beim Betrachter. Und diese in Text oder Sprache zu vermitteln gelingt meist mehr schlecht als recht. Bei einfachen zweidimensionalen Flechtobjekten mag das noch im Rahmen des Möglichen sein. Sobald es aber räumlich wird stößt man bei den Erklärungen schnell an seine Grenzen. Dann wird aus Lust schnell mal Frust. Und Fragen stellen kann man in solchen Fällen niemanden. Gerade Anfänger laufen hier Gefahr den Spaß an der Sache zu verlieren, wenn die Fehlversuche nicht zum gewünschten oder erhofften Ergebnis führen.

Das Flechten und den Umgang mit dem Flechtmaterial muss man einfach spüren und ein Gefühl dafür entwickeln, wie sich das Material beim Flechten verhält. Das lernt man nicht aus einem Buch oder einem Video. Mit ein Grund warum auch heute noch die Ausbildung zum Korbmacher bzw. jetzt Flechtwerkgestalter drei Jahre dauert.

Auch das Beschaffen von geeignetem Flechtmaterial stellt einen vor Herausforderungen.Immer wieder werde ich gefragt, ob man frisch geschnittene Weidenruten, verflechten kann.
Meine Antwort darauf lautet: Im Prinzip ja.
Allerdings wird man meist nicht lange seine Freude an dem haben was man damit flechten möchte. Näheres hierzu in meiner FAQ: Können frisch geschnitteneWeidenruten sofort verflochten werden?

Eine Flechtanleitung in Wort und/oder Bild mag also die Theorie vermitteln können ist aber weit von der Praxis entfernt. Wer es wirklich ernsthaft mit dem Flechten ausprobieren möchte ist mit einem Kurs am Besten bedient. Hier kann immer situationsbedingt auf die Kursteilnehmer eingegangen werden, werden kleine Tipps und Kniffe im Umgang mit dem Material gegeben und Fragen direkt beantwortet. Das mag zwar teurer sein als ein Buch oder kostenlose Videos im Internet. Doch in kleiner Runde noch lange nicht so frustrierend als nach dem x-ten Fehlversuch allein im stillen Kämmerlein alles hinzuwerfen.

Mein Fazit also zu solchen Flechtanleitungen: Alles gut gemeint, aber für Anfänger eher nicht geeignet das Flechthandwerk auch gut umzusetzen und ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Für Fortgeschrittene mag es Inspiration für neue Flechtprojekte sein – mehr aber auch nicht.

Und wer jetzt fragt, ob ich Flechtkurse anbiete: Nein, zur Zeit nicht.
Allerdings – Über die Suchmaschinen im Internet lassen sich von Dänemark bis Spanien genügend gute, auch mehrtägige, Flechtkurse finden. Für ernsthaft Interessierte immer ein Erlebnis und vielleicht packt einen ja der Flechtvirus. Denn auch die Flechtechniken der jeweiligen Regionen können sich stark voneinander unterscheiden.

Etwas was ich 2013 beim Deutsch-Französischen Flechtertreffen in Ludwigsburg erleben durfte. An zwei Tagen habe ich eine Technik erlernt, die mich vor neuen Herausforderungen, obwohl ich eine gelernte Korbmachrerin bin, gestellt hat. Verbunden mit einem Campingurlaub ein unvergessliches Erlebnis.

Ebenfalls ein Tipp für empfehlenswerte Kurse ist der jährlich stattfindende Korbmarkt im September in Lichtenfels, der Korbstadt mit der einzigen Korbfachschule in Deutschland.
Weitere Infos zu den Kursen unter https://www.flechtworkshops.de/

Aber auch in Frankreich, genauer Bouxurulles, besteht die Möglichkeit sich jedes Jahr im Mai von internationalen Korbmacher etwas beibringen zu lassen. Bei dem Fest rund um die Weide finden immer auch verschiedene Flechtkurse statt.