Stirbt das Korbmacherhandwerk aus?

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(Ralf) Der letzte seines Standes oder Aussterbendes Handwerk oder gar Der letzte seiner Art – so oder ähnlich sind Berichte betitelt, die das Aussterben des Korbmacherhandwerks (und anderer Berufe) zum Inhalt haben. Und das schon seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten.

Mal hört es sich an oder liest sich so, dass es ab morgen kein Korbmacher auf der Welt oder auch nur in Deutschland mehr geben wird. Sicherlich sind die gelernten Korbmacher oder wie sie heute genannt werden, Flechtwerkgestalter, schwer zu finden. Aber eine Ausbildung findet noch immer statt. Nur nicht mehr in dem Ausmaß wie es früher mal war. In den drei Lehrjahren hat sich der Schwerpunkt der Ausbildung etwas geändert. Was früher noch gang und gäbe war ist heute eben nicht mehr gefragt. Wie so vieles anderes auch.

Doch auf Märkten merkt man, dass immer auch noch jüngere Menschen gerne mal etwas handwerklich Hergestelltes wie eben einen Korb erwerben. Das man dort aber meist nur ältere Korbmacher sieht, liegt wohl auch daran, dass sich die junge Generation mehr auf das Onlinegeschäft konzentriert. Man sieht die neue Generation von Flechtwerkgestalter weniger auf Märkte, weil sie in einer Onlinewelt präsent sind. Aber aussterben tun sie nicht.

Und jetzt merkt man, dass ich auch schon zu der älteren Generation gehöre. Mir persönlich fällt es schwer an das gute Handwerk und die damit verbundene gute Qualität zu glauben, wenn ich mir so manche Korbwaren in Onlineshops und Verkaufsplattformen anschaue. Und was die Preise der angebotenen Waren betrifft, habe ich immer das Gefühl das alles entweder viel zu billig oder gar zu überteuert angeboten wird. Und das eben sehr oft für Schrott, der von billigen Händen irgendwo auf der Welt als Massenprodukt produziert wurde.

Und die Gefällt-mir-dann-doch-nicht-ich-schicke-es-zurück Mentalität macht es Kunden dann auch noch relativ einfach Ware wieder zurückzuschicken. Schaut man mal über die Grenze in unsere europäischen Nachbarländer wie zum Beispiel Dänemark oder Frankreich, dann wird einem schnell klar, dass dort Korbmacher und ihre Waren einen ganz anderen Stellenwert bei der Kundschaft haben. Und die Wertschätzung schlägt sich auch im Preis nieder. Egal ob auf Märkten persönlich oder über Onlineshops. Und die Qualität stimmt meistens ebenfalls, wenn man die überall vorkommenden Billighändler aussortiert.

Neben den gelernten Flechtwerkgestalter gibt es auch noch unzählige Hobbyhandwerker, die sich anhand von Büchern, Videos und auch Kursen das Korbflechten mehr oder weniger gut angeeignet haben. Ob sich so jemand dann Korbmacher nennen sollte, da bin ich mir nicht so sicher, wenn die Produkte auch noch verkauft werden. Aber auch solche Personen finden sich schnell im Internet wieder, um dort ihre selbst gefertigten Produkte zu verkaufen. Und bei so einigen kann man nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Und das sicherlich nicht aus Begeisterung.

Der Grund, warum also Korbmacher aussterben ist also nicht, dass es zu wenige gibt, sondern zu wenig gute in der Öffentlichkeit, die auffallen.

Frage, Nachdenken, Antwort suchen

Obwohl einen Punkt könnte es doch für das Aussterben geben: Die Bürokratie, wenn man im Internet vertreten ist. Und ganz schlimm, wenn man dann auch noch einen Shop betreibt.

Die damit verbundenen möglichen teuren Abmahnungen und abzugebenden Unterlassungserklärungen könnten binnen weniger Tage dafür sorgen, dass die Korbmacher tatsächlich aussterben (und natürlich noch viele andere Berufe). Wenig Rechte aber viele Pflichten stehen da im Raum und ständig stehen neue Gesetzte an, die auch vom kleinsten Unternehmen umgesetzt werden müssen. Ausnahmen gibt es meist nur sehr wenige. Und sich hinter davon-wusste-ich-aber-nichts zu verstecken hilft da letztendlich auch nichts.

Es ist erschreckend was inzwischen alles reglementiert und in Paragrafen verpackt ist. Was früher selbstverständlich war muss heute alles über ein Gesetzt geregelt werden. Das man sich mit einem Hammer auf den Finger schlagen kann sollte jedem Heimwerker bekannt sein. Das man das aber auch noch als Warnhinweis einem Hammer beipacken muss (EU 2023/988 – GPSR oder auch General Product Safety Regulations), darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Wie sieht es da also mit Korbwaren aus? Der Henkel oder der Griff kann abgehen und beim runter fallen dann der Inhalt des Korbes beschädigt werden. Oder kann man sich gar an überstehenden Weiden schneiden? Möglich ja. Man kann auch mit dem Kaschmirpullover dran hängen bleiben und einen Faden ziehen. Das konnte schon alles vor 100 Jahren passieren aber muss heute extra in der Produktsicherheitsverordnung schriftlich einem Produkt beigelegt werden?!

So kann man seitens der Gesetzgeber dann auch dafür sorgen, dass viele kleinste Unternehmen hinschmeißen und lieber dafür sorgen, dass ein Berufsstand ausstirbt. Denn wer hat schon Lust sich um alle rechtlichen Dinge zu kümmern, anstatt lieber mit seinen Händen etwas herzustellen was andere gerne hätten. Und ob ignorieren der staatlichen Vorgaben eine gute Idee ist? Auf Dauer wohl eher nicht. Da stehen doch bestimmt schon die Abmahngeier bereit und warten nur auf den nächsten Umsetzungstermin irgendeins sinnfreien Gesetztes.

Vom so oft zitierten Bürokratieabbau merkt man da nichts. Rein gar nichts. Und das schon seit Jahrzehnten. Denn zum Abbau muss ja alles wieder mit Formularen reglementiert werden.

Sterben Korbmacher jetzt doch aus? Sind Korbmacher jetzt doch die letzten ihrer Art?

Korbmacher sind zähe Gesellen. Solange ausgebildet wird möchte ich nicht an ein Aussterben denken. Die Sicht der Öffentlichkeit hat sich lediglich geändert. Vom vor-Ort-sein zum im-Internet-sein wandelt sich der Beruf des Korbmachers wie so viele andere auch. Die Kunden, wie sie die ältere Generation noch kennt, fallen nach und nach weg. Junge Menschen sind eher online aktiv und weniger auf einem Markt unterwegs. Von daher stirbt der Korbmacher als Marktbeschicker aus. Online sind wenig Gute unter den Vielen vertreten. Aber es wird sie auch in Zukunft geben, wenn man nur geduldig sucht, die guten Korbmacher der Zukunft.


Mein Mann im Hintergrund

Bereits mit der ersten Idee von Katja sich wieder dem Korbmacherhandwerk zuzuwenden und ihren Job bei einem Automobilzulieferer zu beenden habe ich sie unterstützt. Und seit 2011 begleite ich meine Frau auf alle Märkte, kümmere mich um die Internetauftritte und stehe weniger mit Rat als mehr mit Tat an ihrer Seite. Und so manches Mal werde ich meine unverblümte Meinung sagen.

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