Anekdoten aus dem Leben einer Korbmacherin

KatjaManchmal ist es interessant und teilweise auch zum Schmunzeln wie sich manch einer das Korbmacherhandwerk vorstellt und was erwartet wird.

Da wird von einem Stuhlgeflecht gesprochen das erneuert werden soll. Bei einem Termin vor Ort stellt sich dann heraus, dass von einem Geflecht weit und breit nichts zu sehen ist. Gemeint ist hier nämlich Stuhlgurtband unter der Sitzfläche welches sich in seine Bestandteile auflöst. Naja, geflochten ist es schon. Irgendwie. Im weitesten Sinne. Nur macht das ein Polsterer und kein Korbmacher.

Oder wie es tagsüber an der Haustür klingelt und eine ältere Dame mit ihrer (wohl) Tochter vor der Tür steht. Ob ich nicht mal eben zwei Henkel reparieren kann. Tja, auch geschälte Weiden wollen erst im Wasser eingeweicht werden. Zwar nur wenige Stunden, aber von “mal eben” kann hier trotzdem keine Rede sein.

Was auch Spaß macht, sind Anrufe deutlich nach 19:00 Uhr. Oder auch an Sonn- und Feiertagen zu allen (un)möglichen Zeiten. Überrascht scheinen dann viele Anrufer zu sein, wenn sich dann der AB meldet. Auch ich gönne mir mal Feierabend. Und die freien Wochenenden ohne Markt und ohne Flechtkurse gehören mir.

Ganz Lustig wird es bei Reparaturanfragen via Email mit angehängten Bilder von Stuhlgeflechten. Am Text merkt man meistens schon, dass hier jeder Korbmacher deutschlandweit und über die Grenzen hinaus angeschrieben wurde. Und natürlich wird nach den Kosten gefragt: “Habe hier zwei Stühle. Was kostet das?”
Es macht Spaß wenn man solche Mails beantwortet, obwohl ich genau weiß, dass ich nie eine Antwort bekommen werde. Manchmal juckt es dann bei der Beantwortung solcher Mails schon in den Fingern beim Preis mal das Komma etwas nach rechts zu verschieben oder einfach nur stumpf auf den Link der Homepage zu verweisen, wo der Preisrechner und die Versandkosten aufgeführt sind. Letztendlich bleibt man aber auch bei solchen Anfragen höflich und gelassen und beantwortet sie ausführlich, auch wenn man sich zu 99,9% sicher ist die investierte Zeit ist umsonst aufgewendet.

Wofür denn ein Korb oder eine Schale ist, oder was man da rein oder da drauf tun kann wird regelmäßig gefragt. Irgendwann verdreht man, natürlich innerlich, die Augen und denkt sich “Oh Mann”. Höflich hat man bisher immer geantwortet, was der Fragesteller im Prinzip erwartet. Doch letztens kam von mir als Antwort “Kondome”. Als Lohn für meine spontane Erwiderung bekam ich einen ungläubigen Blick, einen stutzenden Moment des Innehaltens und dann ein herzhaftes Lachen.
Frei nach Roberto B.: Ein bisschen Spaß muss sein….