Flechten an einem geschichtsträchtigen Ort

Gestern, am 26.8.2017, ging es nach Schotten. Der erste Flechtkurs für das Mehrgenerationenhaus stand auf dem Terminkalender. Der Kurs selbst wurde im historischen Rathaus von ca. 1520 in der Markthalle abgehalten. Ein  Raum, der einem direkt nach betreten ein “Wow” entlockte. Auch das Gebäude selbst sieht, wie so viele andere in der Schottener Altstadt, einfach nur prächtig aus. Ein Besuch zum Bummeln und Flanieren ist Schotten somit schon mal wert.

Doch zurück zum Flechtkurs. Die Anfahrt gestaltete sich trotz Navi etwas problematisch. Und hier hat das Navi eindeutig die Schuld. Schmale Gassen, durch die gerade mal ein Fußgänger passt sind nun mal zu eng für den VW Bus. Zwei Ehrenrunden haben wir um die Altstadt gedreht, bis wir vor dem alten Fachwerkhaus standen und ausladen konnten. Frau Wilhelm vom Stadtmarketing nahm uns in Empfang und hat sich um alles im Vorfeld und während des Flechtkurses gekümmert.

Wie schon gesagt; nach mehreren “Wow” wurden die Werkzeuge verteilt, die Weiden ausgepackt und alles weitere für den Kurs vorbereitet. Liebevoll angerichtet stand ein kleines Buffet mit Kuchen, Melonen, Keksen und Getränke an der Seite. Und dann hieß es warten auf die Kursteilnehmer. Inzwischen war das eine Tor zur Markthalle bereits offen. So konnte jeder, der zufällig vorbei kam einen Blick in die Markthalle werfen und dem Flechtkurs zumindest optisch beiwohnen.

Und dann hieß es “An die Weiden, fertig, los”. Wie schon zig Mal hier im Blog zu den Flechtkursen beschrieben folgten die Erklärungen zu den einzelnen Arbeitsschritten und so nach und nach nahmen die Schalen ihre gewollte oder auch ungewollte Form an. Eine kurze Unterbrechung  für ein Mittagessen wurde dankend angenommen. Nur ein paar Meter Fußweg zum Mehrgenerationenhaus wurde Erbsensuppe mit Würstchen aufgetischt. Nach familiärer Art wurde der Topf auf den Tisch gestellt und jeder konnte sich bedienen. Doch kaum waren die Teller leer wurden einige, oder doch alle, ungeduldig. Schnell noch aufgeräumt zog es alle zurück ins historische Rathaus.

Mit mehr oder weniger Hilfestellung wurden die Schalen fertig geflochten. Eigentlich wie bei jedem Flechtkurs wurde immer wieder angemerkt, wie viel Arbeit es doch macht einen Korb zu flechten und das solche Arbeit auch ihren Preis hat bzw. haben muss. Meine Erwiderung lautet darauf immer, dass jeder Korb, egal ob billig oder angemessen teuer, grundsätzlich mit der Hand geflochten ist. Doch die billigen Hände irgendwo auf der Welt machen einem inländischen  Korbmacher das Leben und Überleben schwer von seinen Korbwaren zu leben. Weswegen viele auch billige Zukaufware anbieten, welche teilweise bei mir schon kurze Zeit nach Kauf bei mir zur Reparatur abgegeben wurden. Ein Grund für mich auf Zukaufware zu verzichten. Meine Korbwaren sind ausnahmslos von mir persönlich hergestellt worden. Auch wenn sich in den Köpfen vieler noch immer die Geizmentalität verankert hat.

Und so ging dann auch dieser Flechtkurs so nach und nach zu Ende. Ein Korb nach dem anderen wurde fertig. Niemand wollte letzter sein. Denn Ralf hatte im Laufe des Tages angedroht der Letzte würde draußen am Rathaus mit dem Halseisen angekettet. Ob diese Äußerung dazu geführt hatte, dass bei manchen sich jetzt vermehrt Flechtfehler einschlichen, das bezweifele ich mal. Aus Erfahrung weiß ich, dass nach guten sechs Stunden die Konzentration nach und nach nachlässt und ich immer mehr in Aktion treten darf. Doch getreu meinem Versprechen, dass niemand ohne fertigen Korb nach Hause geht, wusel ich dann zwischen den Tischen herum und so manch einer ist froh, wenn ich ihm die letzten Arbeitsschritte abnehme.

Und so verabschiedeten sich die Teilnehmer so nach und nach, in der Gewissheit etwas einzigartiges geflochten zu haben. Und darauf, dass am Sonntag dann vielleicht auch hier und da sich Muskelkater melden wird. Damit endete dann auch dieser Flechtkurs an einem geschichtsträchtigen Ort.