Seulberger Geschichten

Ralf AvatarZwei Tage Mittelaltermarkt zum 1250-Jährigen in Seulberg gehören jetzt auch der Geschichte an. Wettermäßig wurde alles von trocken, über feucht bis zu nass geboten. Aber das bringt der März nun mal mit sich und letztendlich konnten wir im trockenen, aber nicht trocken, zum Marktende abbauen.

Doch der Reihe nach.  Aufbauen konnte ich schon am Freitag, was ich auch gerne angenommen habe. Der Standplatz war ideal gelegen und Auto mit Anhänger konnten problemlos zum Entladen platziert werden. Direkt bei Ankunft konnten wir einen Verantwortlichen mit Plan ausfindig machen, der  mir meinen schon gesichteten Standplatz bestätigte. Ausladen und Aufbau gingen verhältnismäßig schnell von der Hand und was noch wichtiger war, tocken. Somit konnte ich ganz entspannt auf den Samstag  blicken.

Früh hieß es am Samstag aufzustehen, Tee zu kochen, Essen einzupacken und Material für die Flechtvorführung einzuladen. Die Zeltplanen waren nass aber meine Ware trocken. So begann der Samstag trotz Wettervorhersage erst mal trocken, wurde am frühen nachmittag etwas feuchter und wechselte dann aber schnell Richtung Dauerregen. Doch erstaunt wie wetterfest die Seulberger und alle Besucher sind, waren doch einige in den Gassen unterwegs.

Ursprünglich hatte ich eine Mitmachaktion vor. Ninsenkörbe sollten geflochten werden. Doch Wetter und Temperaturen haben das nicht zugelassen. Und auch das Anfertigen eines Stuhlgeflechts musste ich im Laufe des Tages einstellen. Es war einfach zu feucht.

Das Wasser sammelte sich langsam in mehr oder weniger tiefen Pfützen im Zelt. Der Markt hätte laut Veranstalter bis Mitternacht gehen sollen. Doch in Anbetracht der tatsache, dass parallel noch eine Multivisionsshow in der Kirche stattfand und diese erst um 22:00 Uhr zu Ende sein sollte, leerten sich die Straßen doch zusehend. Und bei dem Wetter und den Temperaturen lediglich nur als “Ambiente” stundenlang Däumchen zu drehen, ohne Aussicht in dämmrigen Licht der Stand- und Außenbeleuchtung noch etwas zu verkaufen, wurde mein Laden um 20:30 Uhr geschlossen. Nach 12 Stunden Nässe und frieren reicht es einfach und man freut sich nur noch auf eine Fußbodenheizung, trockene Kleidung und windstille.

Der Sonntag versprach trocken zu bleiben, was dann auch zutraf. Sogar die Sonne hat sich ab und zu mal zwischen den vielen Wolken kurz blicken lassen. Ein Grund dafür, dass man im Vergleich zum Vortag geradezu überrollt wurde mit Besucher. Aber ein kurzer Testlauf mit Weiden und zwei von Zuhause mitgebrachte Böden hat gezeigt, wie kalt es den Fingern wird. Für zahlende Gäste wäre das nichts gewesen. So habe ich die zwei kleinen Körbchen im laufe des Tages geflochten und vielen Besuchern alle Fragen rund um Weiden, den Korbmacherberuf und,  und, und beantwortet.

Die Aussicht auf einen Abbau zum Marktende hat einen beflügelt. Das trockene Wetter hielt sich tapfer. Der Wind trocknete nach und nach immer mehr die Zeltplanen. Und am späteren Nachmittag kam dann irgendjemand vom Festausschuss, übrigens der erste in der bisherigen Zeit, und verkündete, dass der Veranstalter das Marktende von 18 Uhr auf 20 Uhr verlegt hätte. Wie bitte? schoss es einem da nur durch den Kopf.

Und wie es vorauszusehen war. Um 18 Uhr leerten sich die Gassen. Schließlich wurde dies so auf allen Medien so beworben, dass um 18 Uhr Marktende ist.  Und natürlich hat der Großteil der Händler und Aussteller den Abbau begonnen. Ich mit eingeschlossen.